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Laudatio: Neue Begriffe und Wortschöpfungen sind in Science Fiction Romanen nichts Ungewöhnliches und werden oft durch den Kontext erklärt. Neal Stephenson verzichtet in seinem Roman »Anathem« aber auf den erklärenden Kontext, wenn er eine Klostergemeinschaft beschreibt, die in verschiedenen Stufen der Abgeschiedenheit von der Umwelt lebt und so ihre eigene Sprach- und Begriffswelt erschaffen und erhalten hat. Die Konfrontation mit dem Nicht-Verstehen betrifft in diesem monumentalen Werk nicht nur die Protagonisten, sondern auch den Leser. Dass es trotzdem viel Spaß macht, sich als Leser darauf einzulassen und den Diskussionen beispielsweise über Erkenntnistheorie zu folgen, ist der Verdienst des Autors, aber auch des Übersetzerteams Juliane Gräbener-Müller und Nikolaus Stingl. Sie beherrschen die Kunst, nahe am Original zu bleiben, die vielfältigen Ideen des Autors adäquat zu übertragen, und trotzdem einen Text zu erzeugen, dem man nicht mehr anmerkt, dass er ursprünglich in einer anderen Sprache verfasst wurde. Die extravagante Begriffswelt Anathems ist auch im Deutschen konsistent und kohärent, und dabei genauso sinnvoll und einfallsreich wie im Englischen. Und sie folgen mühelos dem Wechsel der Sprachebenen des Autors, vom wissenschaftlichen Disput oder mathematischen Beweis bis zu den Dialogen einer spannungsreichen Erstkontakt-Geschichte oder einer zarten Romanze. Die Übersetzerjury stimmt deshalb dafür, Juliane Gräbener-Müller und Nikolaus Stingl für die Übersetzung von Neal Stephensons Roman »Anathem« den Kurd Laßwitz Preis für die beste Übersetzung zur Science Fiction ins Deutsche des Jahres 2010 zu verleihen. |

