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Laudatio: Das Militär bastelt an der Übertragung von Emotionen, das Produkt gerät auf den Markt, und bald entstehen die Äquivalente zu Gewaltpornos und Snuff-Videos. Ein Journalist recherchiert in Südamerika, um die Drahtzieher zu enttarnen. Das klingt nach einer einfachen Kriminalhandlung, doch Michael Iwoleits Erzählungen sind meist etwas länger, oft etwas düsterer und nicht selten viel intensiver. In »Die Schwelle« muss Michael Iwoleit gar nicht so viel dazu erfinden. Die skandalöse Vertuschung von Frauenmorden in Südamerika ist traurige Realität, der Schwarzmarkt mit Gewalt-Videos ebenso, und selbst die beschriebene Weiterentwicklung der Technologie wirkt kaum wie etwas Erfundenes. Und so greift der Autor ein sehr brisantes Thema auf und erzeugt eine eindringliche Warnung. Der Journalist in »Die Schwelle« berichtet von seinen gefährlichen Recherchen vor Ort mittels einer Serie von E-Mails, so dass der Leser wie die angeschriebene Ehefrau nur häppchenweise und aus der Sicht des Ich-Erzählers erfährt, was in den jeweils letzten Stunden passiert ist. Dies baut eine ungeheure Spannung und dichte Atmosphäre auf, die Michael Iwoleit mit seiner drastischen Schilderung dieses menschenverachtenden Milieus noch intensiviert. Seine hohe Sprachkompetenz, sein Gespür für Timing und eine eindringliche Sprache, und seine glaubwürdige Charakterisierung von vielschichtigen Personen zeichnen auch diese Erzählung aus. Der Ich-Erzähler hat Selbstzweifel, weil er sich zu sehr in diese Szene hat hineinziehen lassen, und so fiebert der Leser nicht nur mit, ob ihm am Ende die Flucht gelingt, als er auffliegt, sondern auch, ob er auch mit seinem Tun klar kommt. Diese intensive Leserbindung innerhalb einer Erzählung aufzubauen, ist das Kennzeichen des Meisters der deutschen Science Fiction Novelle. Die Mehrheit der deutschsprachigen SF-Schaffenden stimmt dafür, Michael K. Iwoleit für seine Erzählung »Die Schwelle« den Kurd Laßwitz Preis für die beste deutschsprachige Science Fiction Erzählung des Jahres 2010 zu verleihen. |


