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Laudatio: Eine Alternativwelt, in der die deutsche Kleinstaaterei des 19. Jahrhunderts in der heutigen Zeit noch existiert, ist eine schöne Kulisse für ein befremdliches landespolitisches Szenario. Darin eine extrem provinzielle und personalisierte Handlung zu erzählen, ist ein charmanter Kontrapunkt, der genial von Ernst-Eberhard Manski gesetzt wurde. Die Lebensgeschichte der Protagonisten ist direkt verknüpft mit den historischen Ereignissen der Alternativwelt, die wie parodistische Varianten der Begebenheiten der jüngeren deutschen Geschichte wirken. Und so können Vorlieben und Stimmungen schon mal über die Zukunft kleinstaatlicher Bündnisse entscheiden. Die Erzählung ist grotesk und witzig zugleich, die Protagonisten sind sympathisch und das Lokalkolorit schafft eine vertraute, aber gleichzeitig auch eine übertrieben hinterwäldlerische Atmosphäre. Dem langsamen, beschaulichen Leben in Ostwestfalen widersprechen aber nicht nur die politischen Reibereien, sondern auch die fortgeschrittene Globale Erwärmung, deren Auswirkungen immer wieder in Nebensätzen auftauchen – und natürlich im Titel, der auf Weinanbau an der Weser anspielt. Ernst-Eberhard Manski behandelt die politischen, historischen und klimatischen Spekulationen nicht immer ernsthaft, sondern meist mit kleinem Augenzwinkern. Die beschriebene Basisdemokratie erinnert mehr an Diskussionen in einer Wohngemeinschaft, Kurzstreckenverbindungen der Bahn entpuppen sich als internationale Reisen durch die Kleinstaaten, die Technologie zeigt Defizite, und den klimatischen Problemen werden eher die positiven Seiten abgewonnen. Die passende Sprache und eine stimmige Wortwahl machen diesen Ausflug in ein alternatives Ostwestfalen zu einer vergnüglichen, kurzweiligen Reise. Die Mehrheit der deutschsprachigen SF-Schaffenden stimmt dafür, Ernst-Eberhard Manski für seine Erzählung »Das Klassentreffen der Weserwinzer« den Kurd Laßwitz Preis für die beste deutschsprachige Science Fiction Erzählung des Jahres 2009 zu verleihen. |

