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Laudatio: »Blindflug« ist alles andere als die übliche Erstkontakt-Geschichte. Die Aliens bleiben fremdartig und unverständlich, und die menschliche Raumschiffbesatzung ist mindestens ebenso bizarr und in ihren Handlungen und Motiven kaum zu begreifen: Der Captain ist ein telepathisch begabter Vampir, der Schiffsarzt kann als Cyborg Ultraschall und Röntgenstrahlen erfassen, die Linguistin besteht aus vier Einzelpersönlichkeiten, die Soldatin ist genetisch hochgerüstet, und der emotionslose Erzähler ist ein Synthesist mit einer Vergangenheit als Epileptiker. Wenn ein Autor den Leser derart dazu bringt, sich den Text erarbeiten zu müssen, und fehlende Identifikationsmöglichkeiten mit Exotik und Neuartigkeit mehr als ausgleicht, dann ist das für den Übersetzer eine echte Herausforderung. Sara Riffel kontert mit einer eleganten Eindeutschung, die auf sehr gute Recherche der technischen Fachterminologie, einen großen Wortschatz und viel Sprachgefühl basiert. Wo es dem deutschen Stil dienlich ist, hat sie sich souverän von Wortlaut und Syntax entfernt, aber meist konnte sie sehr nah an den Eigentümlichkeiten des Originals mit seiner unterkühlten Atmosphäre bleiben. Der Leser eckt niemals an; man nimmt nicht wahr, dass es sich um eine Übersetzung handelt. Ihre gekonnte Begriffsuche und ihre sprachlichen Fähigkeiten sorgen dafür, dass sich der herausfordernde Text auch dem deutschen Leser in seiner Sprache erschließt und trotzdem seine literarische Ästhetik beibehält. Das belegen viele sehr idiomatische Ausdrücke, kongenial »miterfundene« neue Fachbegriffe, und ein sehr flüssiger Stil — solange es das Original zulässt. Die Übersetzerjury stimmt deshalb dafür, Sara Riffel für ihre Übersetzung von Peter Watts’ Roman »Blindflug« den Kurd Laßwitz Preis für die beste Übersetzung zur Science Fiction ins Deutsche des Jahres 2008 zu verleihen. |


