Kurd Laßwitz Preis - Titelzeile
Textfeld: 2006 - Beste deutschsprachige SF-Kurzgeschichte mit Erstausgabe von 2005
Textfeld: Rainer Erler, An e-Star is born
in: Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Die Legende von Eden und andere Visionen 2, Shayol 1014

Laudatio:

Was macht ein Hollywood-Regisseur, wenn ihn die Launen einer Filmdiva zu sehr nerven? Er geht zu den Special-Effects-Leuten und ersetzt seine strapaziöse Schauspielerin durch eine computeranimierte Doppelgängerin.

Diese Idee ist nicht neu, doch was Rainer Erler als Insider der Filmbranche daraus macht, ist bemerkenswert. In pointierten Dialogen und in einer als Drehbuchvorlage geeigneten Szenenfolge beschreibt der Autor nicht nur die Motivation für diesen Austausch und plausibilisiert die technische Machbarkeit – so dass man sich fragt, ob das überhaupt noch Science Fiction ist - , sondern er spart auch nicht mit Seitenhieben auf die Filmstudios und deren Eigenart, trotz massiver Unfähigkeit von Entscheidungsträgern immer wieder Erfolge feiern zu können.

In einer faszinierenden Mischung aus Sarkasmus, der kühl und distanziert wirkt, und Authentizität durch stimmige Details und auf den Punkt gebrachten Äußerungen zeigt Rainer Erler die Brutalität des Filmbusiness, in der jeder ersetzbar ist und Skrupel nur hinderlich sind. Dieses harte Motiv wird durch den Plot entschärft, denn wie absurd sich die Story entwickelt und welche Umstände und kleinen Schritte zu dem grotesken Finale führen, wo auf der Trauerfeier zum Selbstmord der Filmdiva ein sehr voyeuristischer Filmclip ihrer elektronischen Nachfolgerin gezeigt und als Start einer neuen Ära des Films gefeiert wird, das ist ironisch und nahe an einer Farce. Und doch so konzipiert, dass es glaubwürdig wirkt.

Wie ein Spiegelbild zur rasanten Entwicklung der Computeranimation in Hollywoodfilmen gibt Rainer Erler seiner Geschichte ein unheimliches Tempo mit kurzen Szenen, optimierten Dialogen, prägnanten Beschreibungen und kurzen Skizzierungen seiner Personen. Wie die Protagonisten wird der Leser fast von der Entwicklung überrollt – und kann unmöglich vor dem Ende der Story zu lesen aufhören.

Die Mehrheit der deutschsprachigen SF-Schaffenden stimmt deshalb dafür, Rainer Erler für seine Erzählung »An e-Star is born« den Kurd Laßwitz Preis für die beste deutschsprachige Science Fiction Kurzgeschichte des Jahres 2005 zu verleihen.

Cover zu:
Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Die Legende von Eden und andere Visionen 2, Shayol (1014)Foto von Rainer Erler2006: Graphik2006: Hörspiel2006: Kurzgeschichte2006: Roman2006: Übersetzung2006: ausländisches Werk2006: Sonderpreis einmalige Leistung2006: Sonderpreis langjährige LeistungÜbersichtAktuellGeschichte des KLPKLP KategorienKLP PreisträgerKLP StatutenKLP TreuhänderKontakt + ImpressumAbstimmungsverfahren201220111991199219931994199519961997199819992000200120022003200420052006200720082009201019821983198419851986198719881989199019812014201320152016